Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) – Einblick in die Digitalisierungspläne des BMG

Dieser Beitrag liefert einen Überblick zu den Digitalisierungsplänen des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen von digitalen Pflegeanwendungen (DiPA).

Die Digitalisierung unseres Gesundheitssystems schreitet auch im Bereich der Pflege voran. Mit dem “Digitale Versorgung und Pflege-Modernisierungs-Gesetz” (DVPMG) wurde zum Beginn des Jahres ein Verfahren zur Prüfung der Erstattungsfähigkeit digitaler Pflegeanwendungen (DiPA) vorgestellt und Anfang Juni beschlossen. Somit können zum 01.01.2022 die ersten digitalen Pflegeanwendungen (DiPA) beim BfArM zur Prüfung eingereicht werden und stehen im besten Fall ab April 2022 zur Beantragung bereit. Da sich die Rahmenvereinbarung derzeit noch in der finalen Ausgestaltung befindet, sind noch nicht alle Details eindeutig geklärt.

Wir wollen Ihnen in diesem Beitrag bereits einen Überblick zu den digitalen Pflegeanwendungen (DiPA) geben. Auch soll der Beitrag Ihnen als Hersteller helfen, um bereits mit der Entwicklung und Planung anfangen starten zu können.

1. Digitale Pflegeanwendungen (DiPA)

Das Ziel des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) mit der Einführung digitaler Pflegeanwendungen (DiPA) ist es, den Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen durch Übungen zu stabilisieren oder zu verbessern sowie die Kommunikation zwischen Angehörigen und Pflegekräften zu verbessern. Wobei diese Anwendungen im wesentlich auf digitalen Technologien wie Webanwendungen und Apps für das Smartphone beruhen sollen.

Darstellung der Ziele digitaler Pflegeanwendungen (DiPA)

Abbildung: Ziele einer digitalen Pflegeanwendung (DiPA)

1.1 Unterschiede zu digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA)

Grundsätzlich liegt der Unterschied zwischen einer DiGA und einer DiPA im jeweiligen Anwendungsbereich. DiPAs richten sich an pflegebedürftige Menschen, wohingegen DiGAs einen medizinischen Nutzen verfolgen. Da DiPAs auch für Pflegeangehörige genutzt werden können, gibt es keine Versichertenzentrierung wie bei den DiGAs. Dies hat auch zur Folge, dass nicht zwangsläufig eine Medizinproduktezertifizierung notwendig ist. Es ist davon auszugehen, dass Anwendungen, die nicht auf die pflegebedürftige Person ausgerichtet sind, keine Zertifizierung benötigen. Die Formulierung im Gesetz schließt die Zertifizierung jedoch nicht aus. Anwendungen, die sich an eine pflegebedürftige Person richten, müssen voraussichtlich als Medizinprodukt zertifiziert werden.

Auch in Bezug auf die Abrechnung gibt es Unterschiede. Die Abrechnung der Pflegeanwendungen erfolgt mit der sozialen Pflegekasse und wird auf einen Höchstbetrag gedeckelt. Auf diesen Punkt wird der Artikel nachfolgend noch weiter eingehen.

1.2 Anforderungen an digitale Pflegeanwendungen (DiPA)

Darstellung der unterschiedlichen Anforderungen an eine digitale Pflegeanwendung (DiPA)

Abbildung: Anforderungen an digitale Pflegeanwendungen (DiPA)

Viele Anforderungen an eine digitale Pflegeanwendung sind vergleichbar mit den Anforderungen, die auch für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gelten. Da die entsprechenden Anlagen für die DiPA noch nicht bereitstehen, sollten sich Entwickler zunächst einmal mit den Anforderungen für eine DiGA vertraut machen. Ein besonderes Augenmerk sollte auf eine altersgerechte Nutzbarkeit sowie die Qualität der pflegebezogenen Inhalte gelegt werden. Vergleichen Sie hier auch das Sozialgesetzbuch (SGB) §78a Abs. 4.

2 Weg in die Erstattung für digitale Pflegeanwendungen (DiPA)

2.1 Antragstellung

Bei den digitalen Pflegeanwendungen gibt es keine 12-monatige Probeaufnahme. Dementsprechend muss bei der Antragstellung bereits der Nutzennachweis für den Pflegebedürftigen oder die Angehörigen vorliegen. Nach einer Prüfungszeit von maximal 3 Monaten erhalten Hersteller vom BfArM die Entscheidung über die Aufnahme in das Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen. Interessierte Pflegebedürftige können die Nutzung der Anwendung anschließend über die Pflegekasse beantragen. Die Genehmigung bildet die Grundlage für die Abrechnung über die Pflegekasse.

2.2 Preisverhandlung

Nach der Aufnahme in das DiPA-Verzeichnis folgt eine Verhandlung mit dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-SV), die maximal drei Monate andauern kann. Es ist zu beachten, dass die maximale Erstattungssumme im Monat auf 50 Euro begrenzt ist. Sollte die Verhandlung mit dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-SV) nicht zu einer Einigung führen, folgt danach die Entscheidung über die Schiedsstelle. Darüber hinaus können Mehrleistungen, die nicht erstattungsfähig sind, an den Nutzer weiterberechnet werden. Es kann auch für Hersteller von digitalen Gesundheitsanwendungen von Interesse sein, bestimmte Indikationen einer DiGA und DiPA zu kombinieren. Hierzu sollten Hersteller eine genaue Prüfung der Rahmenvereinbarung vornehmen, sobald diese vorliegt.

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht den voraussichtlichen Prozess einer DiPA in die Erstattung.

Abbildung des Erstattungsprozesses von digitalen Pflegeanwendungen (DiPA)

Abbildung: Vergütungsfähigkeit von digitalen Pflegeanwendungen (DiPA)

Sie haben Fragen?

Im Vergleich zu digitalen Gesundheitsanwendungen müssen Hersteller von digitalen Pflegeanwendungen (DiPA) aufgrund der wegfallenden Erprobungsphase direkt eine Anwendung mit positivem Nutzen für Pflegebedürftige oder deren Angehörige einreichen. Es ist zu empfehlen, dass hier vom Hersteller eine entsprechende Vorbereitung und Beratung beim BfArM eingeplant wird. Da die Vergütung in einem kurzen Zeitraum von nur 3 Monaten mit dem GKV-Spitzenverband verhandelt werden soll, empfiehlt es sich, frühzeitig eine Strategie zu entwickeln.

SmartStep Consulting berät Sie gern als Spezialist im Bereich Healthcare Strategy und Market Access. Dabei verfügen wir über viele Jahre Verhandlungserfahrung mit Krankenkassen im Bereich Arzneimittelerstattung. Gern helfen wir Ihnen, künftig anstehende Preis- und Erstattungsverhandlungen durch unsere vielfältige Expertise optimal zu unterstützen.

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